Anstrengende und nervige Kollegen, Mitarbeiter deren Verhalten absolut nicht nachvollziehbar ist – wohl jeder kennt diese Konflikte im Arbeitsalltag.

Und mal ehrlich… sind Sie sich nicht oft sehr sicher, dass es nichts mit Ihnen zu tun hat, wenn etwas nicht so funktioniert wie es sollte und Sie sich maßlos über andere ärgern müssen? Denn wenn die anderen nur anders wären, sich anderes verhalten würden…..

Eigenverantwortung als Lösungsansatz

Wahrscheinlich würden Sie manchmal gerne die anderen zur Vernunft bringen und deren Verhalten verändern – am liebsten einfach per Knopfdruck und sofort. Eine Traumvorstellung! Aber es bleibt ein Traum. Denn jeder der schon mal versucht hat jemanden zu verändern – ob privat oder im Job – weiß ja, dass dies zum Scheitern verurteilt ist. Einige versuchen es oft immer wieder und sind dann frustriert, weil es einfach nicht richtig klappt. Sicher haben Sie auch schon mal den Spruch gehört, dass nur Sie sich selber ändern können und sich dadurch etwas in Ihrem Umfeld ändert. Aber auch dies – gar nicht so leicht. Denn warum sollen Sie sich verändern, wenn sich doch die anderen offensichtlich falsch verhalten und Sie so klar im Recht sind? Das dumme Verhalten der anderen mag seine guten Gründe haben, aber diese interessieren doch oft wenig, wenn es den eigenen Weg und die eigenen Ziele blockiert.

Sie können weiter versuchen die anderen zur Einsicht zu bringen, indem Sie ihnen erklären, warum sie sich falsch verhalten und wie es richtig geht. Und wenn Sie dies geschickt anstellen, erreichen Sie vielleicht auch ein wenig und im besten Fall kommt ein konstruktives Gespräch über die unterschiedlichen Sichtweisen zustande. In den meisten Fällen stoßen Sie aber vermutlich auf Widerstand oder hören sich Rechtfertigungen an, da die Kollegen sich ja auch im Recht fühlen und sich weder kritisieren noch zurechtweisen lassen möchten. Dies kann dann der Beginn eines Streitgesprächs oder der Start eines länger andauernden, schwelenden Konflikts sein. Damit ist nicht viel gewonnen, denn es löst den Ärger nicht, sondern verpulvert Ihre Energie weiterhin sinnlos.

Also hilft nur eins: Sie müssen das Thema zunächst mit sich selbst klären – eigenverantwortlich!

Eigenverantwortliche Konfliktklärung – was bedeutet das?

Eigenverantwortliche Konfliktklärung heißt in erste Linie zu erkennen, dass Sie niemanden gezielt verändern können. Die anderen werden in der Regel nicht dafür sorgen, dass Ihr Ärger verschwindet. Sie können aber etwas ändern, indem Sie mit sich selbst in die Auseinandersetzung gehen. Denn wer ist denn verärgert und genervt? Das ist man selbst – und werden jetzt die Kollegen als alleinige Verursacher gesehen, dann wird die Verantwortung für den eigenen Zustand ignoriert. Für den eigenen Ärger, den eigenen Frust hat jeder selbst die Verantwortung. Dies zeigt sich ja schon daran, dass wir uns alle über unterschiedliche Dinge aufregen können und nicht alle immer von den gleichen Situationen genervt oder über die gleichen Kollegen verärgert sind.

Wichtige Fragen für den selbstverantwortlichen Umgang mit Konflikten:

  • Welche Gefühle löst das Verhalten der anderen in mir aus? In welchen Situationen taucht dieser Ärger, diese Wut, diese Angst, dieser Frust etc. noch auf?

Haben Sie dies für sich beantwortet, gilt es diese als negativ erlebten Emotionen nicht zu verdrängen, sondern anzuerkennen und zu akzeptieren. Das gibt Ihnen bereits die Kontrolle über die Situation zurück und die Emotionen können Sie nicht mehr hemmen und blockieren. Natürlich können Sie sich dabei auch mal aufregen und Ihrem Ärger Luft machen – aber eben für sich selbst. Dies schützt Sie davor andere sinnlos anzugreifen und hilft diese als Auslöser und nicht als Schuldige zu sehen.

  • Welches Bedürfnis steht hinter diesen Gefühlen? Was will ich eigentlich wirklich? Wie hätte ich die Situation gerne stattdessen und warum?

Gewinnen Sie bei der Beantwortung der Fragen etwas Abstand und machen Sie sich zum Zuschauer, der möglichst emotionslos Ihre Situation beobachtet und analysiert. Hier kommen Sie vielleicht auch schon auf die Idee, was Sie wem gerne wissen lassen möchten.

  • Wie gehe ich mit der Situation am besten um? Wie möchte ich mich verhalten?

Gehen Sie in den Dialog mit Ihrem „inneren Team“ und schenken Sie jeder Stimme Beachtung. Ziel ist eine Entscheidung zu treffen, wie Sie sich verhalten werden und wem Sie über Ihre geklärte Bedürfnislage berichten. Sie können sich natürlich auch entscheiden niemanden darüber zu berichten. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Gefühls- und Bedürfnislage erübrigt häufig das Gespräch mit anderen, weil erkannt wird, dass es ein eigenes Thema war. Die dicke Luft ist sozusagen automatisch wieder aus der Situation raus. Sind aber Gespräche für Ihre Zielerreichung erforderlich, ist es sinnvoll die Regeln der guten Kommunikationskunst (wie z.B. die altbewährten Ich-Botschaften) zu berücksichtigen.

Die Entscheidung: Love it, leave it or change it

Das Zitat von Henry Ford macht sehr gut deutlich, welche Entscheidungen Sie bei einer eigen-verantwortlichen Konfliktklärung für sich treffen können.

Love it…

Es hilft sich den eigenen Auseinandersetzungsprozess genau anzuschauen und zu überprüfen, ob die Situation nun letztendlich anders bewertet werden kann. Bei näherer Betrachtung lässt sich in dieser Situation vielleicht sogar eine große Chance erkennen. Was war das Gute daran? Vielleicht konnten Sie in dieser Auseinandersetzung mit sich selbst einige unproduktive Verhaltensmuster auflösen, die sie in ähnlichen Situationen und mit ähnlichen Menschen schon immer blockiert haben.

Leave it …

Eigenverantwortung kann aber auch heißen, dass es angebracht sein kann, Situationen und Menschen zu verlassen. Wenn Ihre Bedürfnisse z.B. immer wieder hintenanstehen, Ihre Werte verletzt werden und Ihre Ziele in dieser Konstellation einfach nicht erreicht werden können, entspricht die Situation Ihnen nicht mehr. Das Verlassen der Situation bzw. eine Trennung kann dann die richtige Entscheidung sein.

Change it ….

Sie verändern die Situation durch konsequentes Verhalten und klare Kommunikation. Sie praktizieren genau das, was Ihnen wichtig ist und beobachten, welche Wirkung das hat und was sich im Umfeld dadurch verändert. Wichtig dabei, dass Sie Ihren Fokus komplett auf Ihr Ziel ausrichten und dabei sich und Ihren Werten treu bleiben – und zwar ohne andere anzugreifen oder für irgendwas verantwortlich zu machen. Schauen Sie was passiert, wenn sie klar fokussiert und in Ihrem Handeln konsequent und zielorientiert sind.

5 entscheidende Merkmale der eigenverantwortlichen Konfliktklärung

  1. Wer Konfliktsituationen eigenverantwortlich klärt, der weiß um seine Kraft und prüft seine eigenen Möglichkeiten. Man sieht sich nicht als machtloses Opfer der Umstände. Es geht darum zu erkennen, was einem wirklich wichtig ist. Im Vordergrund steht das eigene Handeln und was man selbst tun kann, um sein Ziel zu erreichen.
  2. Geht man den Weg der Konfliktklärung in Selbstverantwortung ist einem klar, dass man selbst auch Teil des Systems ist und damit ein Stück Mitverantwortung für das Ganze trägt. Mit diesem Wissen im Hintergrund geht es dann nicht um die Suche nach Schuldigen, sondern um die Fragen „Was will ich wirklich? Und wie kann ich das erreichen?“
  3. Eigenverantwortliche Klärungsprozesse führen zu einer Entscheidung (love it, leave it or change it). Es wird verändert, was verändert werden kann und Grenzen akzeptiert, die im Rahmen der eigenen Möglichkeiten nicht verschoben werden können. Es wird klar erkannt, dass es auf Dauer nichts bringt sich über andere zu ärgern, sondern einen dies nur noch tiefer in heikle Situationen manövriert.
  4. Eine im Klärungsprozess für sich getroffene Entscheidung führt zu konsequentem Handeln. Das Ziel und die eigenen Bedürfnisse stehen im Fokus und werden durch klare und respektvolle Kommunikations- und Verhaltensweisen verfolgt.
  5. Im Rahmen des eigenverantwortlichen Klärungsprozesses wird es nicht als Schwäche angesehen die eigene Emotions- und Bedürfnislage zu verbalisieren. Souverän und wirksam kommuniziert ist die Beziehungsebene sehr häufig der Schlüssel zum Erfolg. Zudem wird erkannt, wann für den Klärungsprozess Unterstützung sinnvoll und wichtig ist. Denn negative Emotionen können schließlich so stark blockieren, dass sie klare Denkprozesse verhindern. Die Unterstützung wird gezielt und als Reflexionshilfe genutzt und nicht um sich Entscheidungen abnehmen zu lassen oder Möglichkeiten zu finden, wie andere manipuliert werden können.

Eigenverantwortlich Konflikte lösen heißt sich von der Überzeugung zu lösen, dass andere für unseren Ärger verantwortlich sind.

Eigenverantwortliche Konfliktlösung spart Zeit und Nerven – ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg dabei!

Ihre Nicola Gragert

 

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