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„Das was Paul über den Peter sagt, sagt mehr über den Paul aus als über den Peter.“ Dieses Zitat von Baruch de Spinoza macht so wunderbar deutlich, warum Feedback wie ein Bumerang ist und wirklich hochwertiges Feedback im Arbeitsalltag keinesfalls eine Selbstverständlichkeit.

Feedback in Unternehmen meint, dass offene und konstruktive Gespräche geführt werden, um Selbstreflexionsprozesse anzustoßen und so eine Verbesserung des Vorgehens oder des Verhaltens zu erreichen. Ziel ist es also, durch strukturierte Rückmeldungen eine Veränderung zu erreichen – sei es um Missverständnisse auszuräumen, Verhaltensweisen zu verändern oder die Motivation bzw. Leistung zu erhöhen.

Somit ist Feedback unerlässlich und immens wichtig, aber gleichzeitig auch ein wenig gefährlich, wenn es nicht wirklich hochwertig ist.

3 Gründe, warum Feedback so wichtig ist:

1. Miteinander und voneinander lernen: Feedback ist eine gute Möglichkeit zur ständigen Verbesserung

Menschen performen besonders gut und lernen auch viel lieber, wenn sie eine Rückmeldung zu ihrer Arbeitsweise und ihrem Auftreten bekommen. Wir brauchen die Resonanz, um uns wahrgenommen und geachtet zu fühlen. Feedback ist somit ein menschliches Grundbedürfnis. Nur durch den systematischen Vergleich, der Fremdwahrnehmung mit der Selbstwahrnehmung, ist es möglich das eigene Handeln und die eigene Leistung zu reflektieren und zu verbessern. Aus diesem Grund ist Feedback auch eines der zentralen Führungsinstrumente. Und wenn nicht nur die Führungskräfte, sondern alle Mitglieder eines Teams bereit sind sich gegenseitig Rückmeldungen zu geben, wachsen die Möglichkeiten des voneinander Lernens um ein Vielfaches. Eine ständige Verbesserung und Entwicklung wird möglich, weil auch gemeinsam nach Handlungsalternativen gesucht werden kann und so gewünschte Ziele schneller erreicht werden.

2. Feedback unterstützt die persönliche Weiterentwicklung

Feedback lenkt die eigene Aufmerksamkeit auf unbewusste und vielleicht auch unangebrachte Verhaltensweisen. Es ist also eine Unterstützung, um die Folgen und Wirkungen des eigenen Verhaltens transparent zu machen – und somit sich selbst besser zu verstehen. Eingefahrene und vielleicht wenig dienliche Verhaltensmuster können erkannt werden. Diese Erkenntnis kann bereits der erste Schritt in Richtung einer Verhaltensveränderung sein. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Feedback-Nehmer eine solche – oft tiefgehende – Rückmeldung annehmen kann. Dies gelingt nur, wenn beim Feedback die positive Absicht einer Person gewürdigt und dabei klar die unbeabsichtigte Wirkung aufgezeigt wird.

3. Durch Feedback werden Missverständnisse geklärt und das Unternehmensklima verbessert

Fast alle Kommunikationsprozesse im Arbeitsalltag sind anfällig für Missverständnisse und hinzu kommt die Gefahr des Nichtverstandenwerdens. Wird im Unternehmen allerdings offen Feedback gegeben, wird Missverständnissen und häufig daraus resultierenden Konflikten vorgebeugt. Gutes und hochwertiges Feedback trägt also zu einer offenen Unternehmenskultur bei mit der sich die Mitarbeitenden auch emotional identifizieren können. Feedback sorgt für Transparenz, und Transparenz schafft ein besseres Unternehmensklima. Es wächst Verständnis untereinander, wenn regelmäßig über die Leistungen gesprochen wird. Zudem wird das Vertrauensverhältnis untereinander gestärkt und dadurch gleichzeitig auch die Mitarbeiterbindung und Motivation.

3 Gründe, warum Feedback leider nicht immer hochwertig und somit auch gefährlich ist:

 1. Feedback kann in die Irre führen

Die Qualität eines Feedbacks entscheidet darüber, wie hilfreich es für den Feedback-Nehmer ist und wie korrekt seine Selbsteinschätzung durch den Abgleich von Selbst- und Fremdbild letztendlich ist. Leider ist qualitativ hochwertiges, möglichst objektives und ehrliches Feedback relativ selten. Sicherlich hängt es auch mit unseren gesellschaftlichen Normen zusammen, denn manches sagt man halt einfach nicht. So werden gerade kritische oder unangenehme Rückmeldungen verschwiegen, verzerrt oder nur sehr abgeschwächt mitgeteilt. Auch positives Feedback kann verzerrt werden – entweder aus Vorsicht oder der andere wird aus Neid und/oder eigener Unsicherheit abgewertet. Für den Feedback-Nehmer bedeutet es somit oft ein verzerrtes Spiegelbild zu bekommen, was durchaus in die Irre führen und im schlimmsten Fall den empfundenen Selbstwert schwächen kann. Denn das Bild von uns selbst bildet sich im Laufe unseres Lebens ja weitestgehend aus dem Verhalten anderer Personen uns gegenüber. Dabei wird oft vergessen, dass die anderen natürlich sehr subjektive Meinungen haben.

2. Hemmungen Feedback zu geben

Ich erlebe immer wieder, dass das Thema Feedback auch ein gewisses Unwohlsein auslösen kann und in einem professionellen Umfeld oftmals noch eine große Herausforderung ist. Deshalb wird es oft vermieden oder aufgeschoben, bis es im lebendigen Arbeitsalltag einfach untergeht. Und dies gilt sowohl für die Mitarbeiterführung, den Umgang unter Kollegen als auch für die Kommunikation mit Vorgesetzen. Die Hemmung besteht meist schlichtweg darin, dass sich viele nicht trauen Feedback zu geben, weil sie auf der einen Seite niemanden verletzten wollen und auf der anderen Seite aber auch nicht als „Schleimer“ gelten wollen. Bei Führungskräften kommt mit Blick auf positive Rückmeldungen oft noch der Irrglaube hinzu, zu viel Lob könnte dazu führen, dass sich nicht mehr angestrengt wird. Die Konsequenz ist, dass sicherheitshalber nur Unkritisches oder Banales angesprochen wird. Die Hemmung Feedback zu geben hat in der Regel meist zwei Hauptursachen: Die erste ist nicht zu wissen wie eine Rückmeldung am besten kommuniziert werden sollte, damit sie angenommen werden kann. Und die zweite ist die eigene Unsicherheit seine Meinung und Wahrnehmen offen zu äußern.

3. Die eigenen Themen auf den anderen projizieren

Von sich auf andere schließen – also unsere eigenen Themen, Ängste und Sorgen auf andere Menschen übertragen – ist eine der größten, unbeabsichtigten Fallen beim Feedback geben. Wir merken es nämlich im Normalfall gar nicht. Projektionen aufzudecken ist für einen selbst extrem schwer. Eine Projektion ist ja vereinfacht gesagt, wenn wir anderen Menschen Eigenschaften, Schwächen oder Probleme zuschreiben, die wir selbst offen oder versteckt in uns tragen. Natürlich erkennen wir nicht in uns, was wir ja im Außen so sehr ablehnen. Gerade bei negativen Meinungen sehen wir aber oft uns selbst, unsere Werte und Ziele und so sagt unsere Wahrnehmung oft mehr über uns als über die anderen. Wenn man den Mechanismus der Projektion erkennt wird vieles sehr komplex, aber gleichzeitig wird es schwieriger sich gedankenlos aufzuregen und über andere zu urteilen. Vielleicht hat die Hemmung Feedback zu geben ja auch damit zu, dass wir zumindest unbewusst wissen, dass wir alle projizieren. Der bewusste nächste Schritt in Richtung hochwertiges Feedback ist sich immer öfter zu fragen: „Was hat meine Wahrnehmung und Bewertung jetzt eigentlich mit mir zu tun?“.

Fazit: Hochwertiges Feedback erfordert in erster Linie Mut zur Innenschau

Feedback bringt nicht nur das Unternehmen voran und steigert die Produktivität, sondern bietet den Mitarbeitern auch eine einzigartige Chance zur (persönlichen) Weiterentwicklung. Langfristig motiviert bleibt, wer regelmäßig seine Meinungen und Erwartungen austauscht und seinen Frust nicht über einen längeren Zeitraum in sich hineinfrisst. Durch regelmäßige und offene Kommunikation lassen sich anbahnende Probleme im Voraus erkennen und lösen, was zu mehr Zufriedenheit führt und die beste Prophylaxe für unproduktive Konflikte ist.

Hochwertiges Feedback in der Arbeitswelt hat also immer zwei Ziele im Blick: Die Persönlichkeits- und die Gruppenentwicklung.

Um dabei die Gefahren von Feedback möglichst gering zu halten, helfen schon ehrliche Antworten auf ein paar mutige Fragen. So lässt sich prüfen, wie hochwertig ein einzelnes Feedback oder auch die gesamte Feedback-Kultur im Unternehmen ist:

  • „Was hat mein Feedback eigentlich mit mir zu tun?“
  • „Warum möchte ich überhaupt Feedback geben?“
  • „Dient das Feedback der gemeinsamen Zielerreichung?“
  • „Bezieht sich mein Feedback wirklich auf die Verhaltens- und Leistungsebene oder versuche ich den anderen aus eigener Motivlage heraus zu verändern?“
  • „Gelingt es mir die positive Absicht der Person zu würdigen?“
  • „Kritisiere ich den anderen, weil dieser etwas kann oder macht, was ich nicht habe oder kann?“
  • „Was befürchte ich, wenn ich ehrlich Feedback gebe?“

Wie schon gesagt, eine hochwertige Feedback-Kultur erfordert den Mut auch die eigene Persönlichkeitsentwicklung immer im Auge zu behalten und sich selbst immer besser kennenzulernen.  Automatisch profitiert davon auch die Gruppenentwicklung, weil Ziele durch die volle Potenzialentfaltung im Team erreicht werden und so der Unternehmenserfolg sichergestellt wird.

 

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