Immer wieder kommt es vor, dass ich es bei Teamentwicklungen und Konfliktklärungen mit einem wilden Emotionsdurcheinander zu tun habe. Die Stimmung ist gereizt und die Zusammenarbeit irgendwie blockiert. Die Führungskräfte suchen Erklärungen für die emotionalen Widerstände der Teammitglieder, die geringe Motivation und verminderte Leistung. Die Situation bedeutet Stress für alle Beteiligten. Manchmal kommt es zu einem offenen Streit oder einer heftigen Auseinandersetzung und manchmal wird auch einfach so getan, als sei eigentlich alles ganz ok. Was häufig aber nicht sattfindet: eine wirkliche Auseinandersetzung mit den (eigenen) Gefühlen.

Angst bei der Arbeit Gefühle zu zeigen 

Unsere Psyche ist täglich einem Wechselbad von Gefühlen ausgesetzt. Im Alltag heißt das: gute Gefühle, bitte mehr davon. Negativ bewertete Gefühle, bitte schnell wieder weg. Verschwinden negative Gefühle in der Zusammenarbeit mit Kollegen nicht irgendwie von alleine, sondern häufen sich, wird die Stimmung mies und es läuft nicht mehr rund. Also ganz einfach: um dauerhaft Konflikte zu vermeiden, geht es gerade um den Umgang mit negativen Gefühlen. Und genau hier liegt die Krux.

Die Kontrolle der Emotionen – und insbesondere der negativen Emotionen – wird gerade in Führungsetagen als wichtig angesehen, um Souveränität auszustrahlen. Viele raten zur sogenannten Emotionsarbeit. Natürlich sind ein kontrollierter Umgang und ein gutes eigenes Emotionsmanagement in der Arbeitswelt für das Individuum durchaus sehr positiv. Vorausgesetzt es wird nicht – wie so oft – missverstanden und führt dazu, dass Authentizität, Überzeugungskraft und der wirkliche Zugang zu sich selbst verloren gehen. Denn, durch zu gutes Emotionsmanagement vieler Beteiligter kommt es oft überhaupt erst dazu, dass bestimmte Situationen eskalieren. Viele Teamkonflikte erreichen durch falsch verstandene Emotionskontrolle und „faking in good faith“ über einen längeren Zeitraum eine durchaus hohe Eskalationsstufe. Warum? Die Emotionen werden gedeckelt, um sich keine Blöße zu geben. Aber sie verschwinden nicht. Viele setzten sich nämlich nicht wirklich mit ihren Gefühlen auseinander und schieben sie weg, bevor sie sie wirklich selbst richtig fühlen, geschweige denn verbalisieren. Somit besteht die Gefahr, dass, sich z.B. der Ärger irgendwann explosionsartig meldet – der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein. Oder es entstehen zahlreiche Missverständnisse, weil wir ja körpersprachlich gar nicht so gute Lügner sind wie wir manchmal denken. Ich ecke zwar nicht an, wenn ich eine gute Miene aufsetze, aber so richtig glaubt man meinem Gesichtsausdruck auch nicht. So kann langsam eine Kultur des Misstrauens entstehen.

Konfliktlösungskompetenz – walk your talk

Konfliktsituationen gehören zum Alltag und wir müssen häufig auch in schwierigen, emotionalen Situationen schnell reagieren. Konfliktmanagement ist somit auch ein Training, welches zum Standardrepertoire in den Unternehmen und in jedem Fortbildungskatalog gehört und was über kurz oder lang auch jede angehende Führungskraft besucht. Dort geht es dann darum, Konflikte frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und zu lösen. Und das hört sich auch alles recht logisch an, ist auf der Verstandesebene gut zu verstehen, aber oft leichter gesagt als umgesetzt. Dies beobachte ich zumindest immer wieder bei Konfliktklärungen in Unternehmen – und zwar egal in welcher Branche und auf welcher Hierarchieebene.

Die eigene emotionale Betroffenheit macht der Umsetzung im Alltag oft einen Strich durch die Rechnung und die doch so logischen Sätze kommen in dem Moment nicht in der gewünschten Gelassenheit. Die kühle Analyse der Situation ist nicht immer möglich. Der größte Wunsch ist dann, die Situation irgendwie zu kontrollieren, möglichst souverän zu wirken, sich nicht angreifbar zu machen und als emotionales Weichei oder Choleriker dazustehen.

Emotionen in solchen Situationen managen zu können ist hilfreich und sehr wichtig, sie aber nur wegzudrücken und eine gute Miene aufzusetzen, birgt auf Dauer Gefahren und lässt Konflikte eskalieren. Gefühle wollen mit uns sprechen, angesehen und tatsächlich anerkannt werden. Sie dienen dazu, dass wir uns mit uns selbst auseinandersetzten, zu uns selbst stehen und sie als einen Teil von uns anerkennen. Zu sich selbst stehen ist eine Stärke, der Schlüssel für Konfliktkompetenz und bedeutet Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen. Umso verwunderlicher, dass es häufig noch als ein Zeichen von Schwäche gesehen wird und auch Angst auslöst, wenn Gefühle deutlich werden. 

Die entschiedene Frage für die Umsetzung ist also die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Gefühlslage. Die Verantwortung für die eigenen Gefühle wird oft nicht übernommen, weil die anderen bewusst oder unbewusst für den eigenen Zustand verantwortlich gemacht und innerlich „bekämpft“ werden. Werden diese „Kämpfe“ dann auch im Außen ausgetragen, ist es natürlich nicht souverän, führt ins Drama und ist vor allen Dingen auch nicht authentisch. Verinnerlichen wir jedoch, dass wir selbst die Verantwortung für unsere Gefühlsage in bestimmten Situationen haben, können wir mit fast jeder Situation umgehen und unsere Meinung selbstsicher und authentisch verbalisieren. Ohne diese Eigenverantwortung wird die Umsetzung von Konfliktkompetenz und die Anwendung aller Kommunikationsregeln kaum möglich sein.

Gefühle zeigen – Drama vermeiden

Der Schlüssel für den Umgang mit Konflikten und die Vermeidung von Drama im Arbeitskontext ist somit die emotionale Eigenverantwortung eines jeden einzelnen und das damit verbundene authentische Auftreten. Dabei gilt:  Man kann (fast) alles sagen, es kommt nur darauf an wie.

Emotionale Eigenverantwortung und wirkliche Authentizität wird durch eine selbstwertorientierte Unternehmenskultur gefördert. Eine Arbeitskultur, die anerkennt, dass wir Menschen uns alle ständig entwickeln und unsere Emotionen dabei Entwicklungshelfer sind. Dies ist kein Aufruf für das Ausleben von Wut- oder Tränenausbrüchen bei der Arbeit – ganz und gar nicht! Es ist ein Anstoß über Stärken und Schwächen noch einmal anders nachzudenken. Das perfekte Verhalten gibt es auch in Arbeitssituationen nicht und den Umgang mit uns selbst und unseren Emotionen lernen wir alle zum Teil täglich neu. Ein starker und authentischer Umgang mit Emotionen ist, wenn ich sie anerkenne, annehme und dann entscheide, ob und wie ich sie ausdrücke. Ich übernehme damit die Verantwortung für das was mir passiert. Ehrlich zu mir, respektvoll dem anderen gegenüber. 

konfliktklaerung-dramamanagement

Der Idealfall wäre, dass die Führungskräfte in ihrer eigenen Entwicklung und im sicheren Umgang mit sich selbst einen Schritt voraus sind und ihre Mitarbeiter anleiten und ihnen eine Reflexionshilfe sein können. Zudem sehe ich gerade bei den High-Performance-Leadern die Möglichkeit moderierend zu unterstützen, wenn sich Person A von den Emotionen der Person B angegriffen fühlt. Für seine Emotionen ist jeder selbst verantwortlich und den eigenverantwortlichen Umgang damit müssen wir – manchmal immer wieder neu und mit Hilfe anderer – lernen. Emotionen zu verbannen oder zu unterdrücken ist dagegen der sichere Weg ins Chaos und in Konflikte. Wir merken es im Alltag an den Fragen: Wer ist schuld? Oder wer hat damit angefangen? Hierauf gibt es keine Antwort, sondern nur eine Möglichkeit: wir lernen die Verantwortung zu übernehmen für das was wir fühlen und uns mit anderen – auch mit unseren zunächst ungeliebten Kollegen – auf eine gute Art auseinanderzusetzen. Wir sind nicht schwach, wenn wir fühlen, sondern stark, wenn wir Emotionen in Eigenverantwortung zum Ausdruck bringen.

Emotionalität am Arbeitsplatz führt zu Zufriedenheit, Engagement und lässt wirkliche High-Potential-Teams entstehen und wachsen!

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